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07.01.19

Die Angst vor Fehlern bremst deutsche Innovationen

Deutschland ist eine Nation von Maschinenbauern, unsere Wirtschaft ist sehr industriell geprägt. Made in Germany ist noch immer gefragt, eben weil unsere Unternehmen gut sind in dem was sie tun, weil sie es schon lange tun und perfektioniert haben. Unsere Industrie gilt aber auch als träge, weil sie Neuerungen scheut. Warum etwas ändern, das seit Jahrzehnten gut funktioniert? Deshalb befürchten einige Experten, dass Deutschland den Anschluss in der Industrie 4.0 verliert und andere Länder, wie China, uns überholen. Manche sagen sogar, dass wir längst überholt wurden.

Aus Fehlern lernen und sich weiterentwickeln

Schon in der Schule bekommen wir gesagt, dass man aus Fehlern lernt und sich verbessert. Aber sobald wir anfangen zu arbeiten ist jeder Fehler eine riesige Katastrophe. Noch nicht mal deutsche Politiker können zugeben, wenn sie einen Fehler gemacht haben. Es wird drum rumgeredet, anderen die Schuld gegeben. Wenn wir auf der Arbeit, im Betrieb, einen Fehler machen, dann wird als erstes versucht einen Schuldigen zu finden. Selten trifft man auf Verständnis. Irgendwer muss ja schuld sein, gerne auch die anderen. Diese Angst vor Fehlern bremst die typischen deutschen Unternehmen. Sie werden von kleinen Start-up-Unternehmen überholt, die etwas riskieren und neue Wege gehen um Probleme zu lösen.

Fehler als Karrierekick – in Deutschland undenkbar

Wer einen Fehler macht, der muss in deutschen Traditionsunternehmen eher mit einem Karriereknick rechnen als mit einem Karrierekick. Anders sieht das in den USA aus. Vor allem im Silicon Valley werden Fehler nicht dramatisiert. Wenn eine Firma Pleite geht, dann wird es halt nochmal versucht und zur Not auch noch ein weiteres Mal. Der deutsche Perfektionismus lässt diese Einstellung gar nicht zu. Wer eine Firma vor die Wand fährt, der muss ordentlich Kritik einstecken. Im schlimmsten Fall droht der Schufa-Eintrag und dieser macht es zudem schwierig überhaupt wieder was Neues auf die Beine zu stellen. Noch Jahre nach einer Pleite sorgt ein negativer Schufa-Eintrag dafür, dass derjenige als nicht kreditwürdig eingestuft wird.

Die Lust am Fehler kommt nur langsam in Deutschland an

Während gescheiterte Unternehmer auf dem Land ihren Heimatort verlassen, weil Sie sich stigmatisiert fühlen, wird in Berlin der Fehler gefeiert. Die Fuck-Up-Nights sind in einigen deutschen Großstädten angekommen, darunter auch Köln und Düsseldorf.An diesen Abenden wird am Mikrofon über das Scheitern gesprochen. Geschäftsleute plaudern über ihre Fehler, bei denen es teilweise um Millionenbeträge geht. Fehler zuzugeben, das ist schon mal ein guter erster Schritt. Aus den Fehlern auch wirklich zu lernen und etwas Gutes draus zu machen. Das ist die Herausforderung, der sich auch die großen, deutschen Traditionsunternehmen noch stellen müssen.

Foto: alphaspirit/Fotolia